18.10.2001

Aktionstag am 24. Oktober 2001 gegen den Bau der Öl-Pipeline in Ecuador

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

Die Email besteht aus drei Teilen:

Teil 1: Einem „Hilferuf" unserer ecuadorianischen Freunde mit der Bitte um Unterstützung im Widerstand gegen die Öl-Pipeline (evtl. auch als Pressetext, damit klar wird, dass es keine „aufgesetzte" Aktion von außerhalb Ecuadors ist)

Teil 2: Einem Pressetext, den ihr – wenn ihr wollt – so verwenden könnt

Teil 3: Einem Brief, den ihr – ebf. wenn ihr wollt – an die beigefügten Adressen versenden könnt (oder ihr schreibt euren eigenen Brief) per Fax, Email, Telefon....

 

Teil 1 (evtl. auch als Pressetext):

Von der ecuadorianischen Widerstandsbewegung „ACCION-ECOLOGICA" gegen die Errichtung einer Öl-Pipeline in ihrem Land erhielten wir, das Rainforest-Information-Center in Lismore, Australien, eine Email mit folgender Bitte:

 

Lieber John Seed,

wir benötigen dringend Eure Hilfe und bitten euch diese Nachricht an alle eure Kontakte weltweit zu verbreiten.

In Ecuador wurden Umweltgruppen, lokale Gemeinschaften und Studenten mobilisiert mit dem Ziel die Fortsetzung des Baues der Öl-Pipeline für schweres Rohöl durch die OCP zu stoppen. Wir benötigen dringend eure Solidarität und eure Unterstützung vor allem gegen die Westdeutsche Landesbank, damit diese die geplante Finanzierung des Projektes aufgibt. Das Projekt ist ein Angriff auf unsere Umwelt mit ihrer einzigartigen Biodiversität wie z.B. im „Mindo Cloud Forest" und zudem ein Angriff auf die Rechte der vor Ort betroffenen Einwohner unseres Landes.

Wir bitten alle internationalen Initiativen um Unterstützung, vor allem an jenen Orten, an denen die WestLB Büros unterhält, um gegen die Finanzierung zu protestieren und eine Opposition dagegen zu organisieren.

 

Mit einer herzlichen Umarmung

Ivonne Ramos

ACCION-ECOLOGICA

 

Teil 2 Pressetext:

Geplante Öl-Pipeline in Ecuador, finanziert durch die Westdeutsche Landesbank, zerstört biologische Vielfalt - Aktionstag am 24. Oktober 2001 -

 

Auf Bitten der Umweltbewegung ACCION-ECOLGICA in Ecuador koordiniert und organisiert das Rainforest-Information-Center (RIC) in Lismore, Australien einen weltweiten Aktionstag am 24.10.2001 gegen den Bau einer Öl-Pipeline in Ecuador, die vom Amazonas über die Anden bis zum Pazifik führen soll (ca. 506 km). Das Konsortium zur Erstellung der Ölpipeline, bestehend aus sieben multinationalen Konzernen, u.a. AGIP (Italien), Repsol-YPF (Spanien) und 5 weiteren nord- und südamerikanischen Firmen nennt sich "Oleoducto de Crudos Pesados" (OCP). Nach Fertigstellung im Jahre 2003 wird sich die Ölfördermenge aus dem Gebiet des Oberlaufes des Amazonas verdoppeln. Der Bau wie auch die Auswirkungen nach der Fertigstellung der Pipeline bedrohen die dortigen Nationalparks, Naturschutzgebiete und die eingeborene Bevölkerung. So hat z.B. die seit 30 Jahren bestehende Ölpipeline SOTE (Sistema Oleoducto TransEcuatoriano) seit ihrem Bestehen aufgrund des feuchten Klimas, verbunden mit starken Erdrutschen und lokalen Erdbeben mehr als doppelt so viel Öl in die Umwelt verloren, als bei dem Unglück der Exxon Valdez vor Alaskas Küste ausgelaufen ist. Die Bevölkerung in diesem Gebiet leidet unter der höchsten Krebsrate in ganz Ecuador, ein Resultat der Vergiftung von Luft, Wasser und Land. Der Vertrag zwischen dem Staat Ecuador und OCP basiert auf der Grundlage eines mit dem IWF und der Weltbank ausgehandelten Deals aufgrund der hohen Verschuldung Ecuadors mit $ 16 Mrd.

Ein wirtschaftlicher Aufschwung indes darf bezweifelt werden. Seit Texaco die erste Ölpipeline (SOTE) 1970 gebaut hat sind die Schulden Ecuadors von $ 217 Millionen exponentiell auf $ 16 Milliarden im Jahre 2001 gestiegen. Auch die Schaffung von Arbeitsplätzen beträgt langfristig selbst nach Einschätzung des Energieministers von Ecuador lediglich 300 - 400 Arbeitsstellen, die zudem mit hochqualifizierten Fachkräften aus dem In- und Ausland zu besetzen sind. Letztendlich droht die Zerstörung eines ökologisch sensiblen Systems von hoher Biodiversität mit der unwiederbringlichen Ausrottung zahlreicher Tier- und Pflanzenarten im Yasuni National Park und angrenzenden Naturschutzgebieten. Auch die soziale Situation für die indigenen Bewohner des Landes wird sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit solchen Maßnahmen verschlechtern, z.B. durch Überfischung, Zerstörung traditioneller Jagdgründe, Kolonisierung einhergehend mit sexuellen Übergriffen und Prostitution, Gewalt, Vergiftung von Luft, Wasser und Boden und dem Verlust der biologischen Vielfalt.

Mehr umfassende Fakten finden sich im Internet unter www.regenwald.org (deutsch), www.amazonwatch.org (Englisch und Spanisch) und www.rainforestinfo.org.au (Englisch).

Das Projekt soll mit rund $ 900 Millionen von der Westdeutschen Landesbank unter Beteiligung zusätzlicher weiterer Banken, u.a. der Hypovereinsbank, finanziert werden. Die Citibank und die Deutsche Bank geben zusätzlich eine Garantie für weitere $ 200 Millionen.

Auf Wunsch der ecuadorianischen ACCION-ECOLOGICA (NGO) finanziert das Regenwald-Informations-Center 2 Trainer der US-Organisation "Ruckus", um die Bewohner in gewaltlose Widerstandsaktionen wie z.B. Baumbesetzungen einzuüben und in der Verbreitung ihres ausgezeichneten Videofilmes zu ihrer Anti-Öl-Kampagne, damit dieser überall entlang der geplanten Bauroute gezeigt werden kann.

Das Rainforest-Information-Center koordiniert und organisiert für den 24.Oktober 2001 einen internationalen Aktionstag gegen den Pipelinebau und bittet alle interessierten Gruppen und Initiativen durch kreative und vielfältige Aktionen an diesem Tag auf die Probleme aufmerksam zu machen (z.B. durch entsprechende öffentliche Aktivitäten vor den Büros der WestLB, Pressemeldungen, Emails, Fax, Telefonate an die Verantwortlichen der WestLB und der nordrhein-westfälischen Landesregierung etc.).

In Sydney planen wir selbst eine kreative Theateraktion, eine Art Mediengag, mit bunten Transparenten, Marionettenpuppen und Trommeln unterhalb der Büros von WestLB. Wie auch immer Aktionen aussehen - jede ist hilfreich! Durch die Bewusstmachung der Probleme und Gefahren erhoffen wir uns eine zunehmende Sensibilisierung und die Formierung von Widerstand gegen den geplanten Pipelinebau.

 

Die WestLB hat Büros in Deutschland in Nordrhein-Westfalen und in folgenden Ländern: Argentinien, Belgien, Brasilien, Chile, China, Dubai, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Korea, Luxemburg, Mexiko, Niederlande, Polen, Russland, Schweiz, Singapur, Spanien, Südafrika, Taiwan, Thailand, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, USA, Uruguay und Venezuela.

Bis jetzt sind uns Aktionen in folgenden Städten bekannt: Quito (vor der dt. Botschaft), Sydney (Friends Of The Earth - FOE), Canberra (vor der dt. Botschaft), Los Angeles (Atossa Soltani, Amazon Watch), Washington D.C. (Rainforest-Action-Network - RAN), Düsseldorf, Münster ("Rettet den Regenwald"), München, Zürich, Mailand und Amsterdam (FOE).

 

Für die Erde

 

John Seed

Direktor des Rainforest-Information-Center
Box 368, Lismore 2480 NSW, Australien
e-mail:
johnseed1@ozemail.com.au
www.rainforestinfo.org.au
www.rainforestjukebox.org
Telefon: 0061-(0)2-66213294

 

Teil 3: Brief an die Verantwortlichen der NRW-Landesregierung und der West LB (Vorschlag):

(Adressen siehe unten)

 

Finanzierung der geplanten Öl-Pipeline in Ecuador durch die WestLB im Auftrag von OCP

 

Sehr geehrter Herr

 

Mit großer Bestürzung habe ich zur Kenntnis genommen, dass die Westdeutsche Landesbank an der Spitze eines Bankenkonsortiums steht, das mit $ 900 Millionen eine Öl-Pipeline von OCP (Oloedocto Crudos Pesados) mitten durch Ecuador finanziert.

OCP plant den Transport von täglich 450,00 Barrel Schweröl durch ein geschütztes Gebiet mit indigenen Bewohnern und einem noch in seinem Ursprung erhaltenen Regenwald im Amazonasgebiet Ecuadors. Potentiell besteht die Gefahr, dass die Kultur der ethnischen Minderheiten der Huaorani und Zapara dort vollkommen zerstört wird.

 

Die Pipeline wird durch insgesamt elf geschützte Naturreservate mit hoher Biodiversität führen. Sie wird katastrophale Konsequenzen ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Art für mehr als eine Million Ecuadorianer haben und deren Lebensweise drastisch einschränken oder gar zerstören. Dies ist sowohl ein Verstoß gegen die fundamentalen Rechte der indigenen Völker dort als auch gegen die Lebensrechte der Umwelt. Die WestLB macht sich durch ihre Beteiligung daran mitschuldig.

Die Umweltgruppen u.a. Initiativen Ecuadors begrüßen es, wenn Sie sich vor Ort ein Bild von der geplanten Baustrecke der Pipeline machen würden, den angrenzenden Dörfern und Siedlungen wie auch von den ökologisch wertvollen Regenwäldern der Amazonasregion Ecuadors. Sie könnten sich dann selber überzeugen, welche soziale und Umwelttragödie droht.

 

Es ist völlig inakzeptabel, dass die WestLB und die nordrhein-westfälische Landesregierung von ihren Büros in Deutschland aus, eine Entscheidung aufgrund zweier Gutachten fällen, die von jenen Gesellschaften finanziert sind, die von dem Bau profitieren und womit derartige massive Beeinträchtigungen sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Art verbunden sind.

 

Die Bewohner des Gebietes, die von dem Projekt tangiert werden, sind nie richtig beteiligt worden. Es ist ein Hohn, dass die WestLB und die Regierung von NRW ein derartiges Projekt in Ecuador finanzieren, wohl wissend, dass dies in Deutschland aufgrund seiner Gefahren und Risiken für die Menschen und die Umwelt hier nie und nimmer genehmigt werden würde.

Die seit 30 Jahren bestehende Pipeline SOTE auf einer ähnlichen Strecke wie die neu geplante Pipeline führt durch eine Erdbebenzone und hat in der Vergangenheit den Tod von 30 Menschen verursacht und für eine Umweltkatastrophe weit größeren Ausmaßes gesorgt wie bei dem Tankerunglück der Exxon Valdez vor Alaskas. Weite Teile des Landes und der Flüsse sind mit Öl verseucht.

Unsere Regenwälder sind die Heimat von mehr als der Hälfte aller Pflanzen- und Tierarten. Jährlich sterben durch menschliche Aktivitäten bereits jetzt 25.000 Arten aus (laut Ökologen wäre die „normale Rate" bei einer Spezies alle fünf Jahre). Wenn diese Pipeline gebaut ist, wird die Ölgewinnung aus dem Gebiet des Oberlaufes des Amazonas verdoppelt. Die Folge wäre eine massive Beeinträchtigung der bestehenden Nationalparks wie Yasuni National Park, Panacocha Protected Forest und Mindo Cloud Forest.Gerade die WestLB als das größte öffentlich-rechtliche Kreditinstitut in Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt und die Beachtung von Menschenrechten weltweit.Ich fordere Sie dringend auf, Ihre hohe politische Verantwortung, die Sie Kraft Ihres Amtes haben, dafür einzusetzen, dass die WestLB unverzüglich aus der Finanzierung des OCP-Projektes in Ecuador aussteigt.Mit der Bitte um baldige Stellungnahme verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Adressen:

Herrn Wolfgang Clement
Ministerpräsident des Landes NRW
Stadttor 1
40213 Düsseldorf
Germany
Phone: 0049–(0)211-8371200 oder: 0049-(0)211-8371201
Fax: 0049-(0)211-8371562
E-Mail:
wolfgang.clement@landtag.nrw.de


Herrn Ernst Schwanhold
Minister für Wirtschaft u.a. des Landes NRW
Haroldstr. 4
40213 Düsseldorf
Germany
Phone: 0049-(0)211-83702
Fax: 0049–(0)211-8372200
E-Mail:
poststelle@mwmev.nrw.de

Herrn Jürgen Sengera
Vorsitzender des Vorstandes WestLB
Herzogstr. 15,
40217 Düsseldorf
Germany
Phone: 0049-(0)211-8262210 oder: 0049-(0)211-8263072
Fax: 0049-(0)211-8266121

presse@westlb.de

Herrn Dr. Karlheinz Bentele
Präsident Rheinischer Sparkassenverband
Kirchfeldstr. 60
40217 Düsseldorf
Germany
Phone: 0049-(0)211-389201
Fax: 0049–(0)211-3892240
E-mail:
info@rsgv.de

(an WestLB beteiligt bzw. umgekehrt!)