Oelkrieg in Ecuador
von Martin Oliver und Claire Hutchings

Der Hintergrund

30 Jahre lang schon haben in Ecuador der Amazonas und seine Menschen unter den verheerenden Nebenwirkungen der Oelindustrie gelitten. Und jetzt betreibt ein Konsortium von multinationalen Oelgesellschaften eine kontroverse neue Oel-Pipeline, OCP (Oleoducto de Crudo Pesados) genannt, die im Juni 2003 fertig gestellt werden soll. Die Pipeline wird schweres Rohoel von dem inlaendischen Amazonasregenwald 314 Meilen weit ueber geologisch instabiles Land nach Esmeraldas an der Pazifikkueste leiten, und dabei zerbrechliche Ecosysteme und einheimische Communities gefaehrden.

Um die OCP auszunutzen, muss Ecuador seine gegenwaertige Oelproduktion verdoppeln, und zwar durch die Ausbeutung riesiger Amazonasgebiete, fuer die geplant ist, Hunderte von neuen Oelbohrungen, dazugehoerige Strasssen und Verarbeitungsanlagen anzulegen. Die negativen Auswirkungen der Oelindustrie werden sich auf die letzten uebriggebliebenen Regenurwaelder (old growth rainforest) erstrecken, sowie auf Gebiete, in denen in isolierten Teilen einheimische Menschen ihr traditionelles Leben fuehren.

Wer steht hinter der OCP?

DER IMF (International Monetary Fund): Als Loesung fuer Ecuadors riesige Auslandsschulden (gegenwaertig $US 16 Billionen) hat der IMF folgendes vorgegeben: Ecuadors Oelproduktionskapazitaet sei zu verdoppeln. Dabei besteht der IMF darauf, dass 90 % von Ecuadors neuen Oeleinkuenften zur Abzahlung der Schulden verwendet werden muessen.

OCP-KONSORTIUM-MITGLIEDER: Dazugehoerig EnCana (Canada 31,4%, Repsol-YPF (Spanien 25,6%),Pecom Energia (Argentinien 15%), Occidental Petroleum (USA 12,2%), ENI-Agip (Italilen 7,5%), Techint (Argentinien 4,1%), Perenco (Frankreich/Grossbritannien 4%). Techint, eine Gesellschaft mit einer entsetzlichen Geschichte in Hinsicht Umwelt, baut die Pipeline mit einer solchen Sorglosigkeit, dass dies sogar zu einer zeitweisen Aufhebung der Umweltlizenz des Projekts durch die ecuadorianische Regierung gefuehrt hat. Encano ist der groesste auslaendische Kapitalanleger in den Oelfeldern Ecuadors, und ist bekannt fuer Umweltverschmutzung und soziale Konflikte. Die Toronto Umwelt-Allianz (Toronto Environmental Alliance), Greenpeace Canada, die David Suzuki Foundation und der Sierra Club von Canada haben alle Encana aufgerufen, sich von der umstrittenen OCP zurueckzuziehen. Encana hat darauf nicht reagiert.
FINANZIERUNG: Die Westdeutsche Landsbank (WestLB) verteilt eine Anleihe von $US 900 Millionen um die OCP zu finanzieren. Andere die Finanzierung unterstuetzende Institutionen sind die italienische Banca Nazionale de Lavoro (BNL), Deutsche Bank, Citibank, sowie der Finanzberater des Projekts:J.P.Morgan Chase.
REGIERUNG: Waehrend der 30 Jahre Abhaengigkeit von Oel, ist die Armut in Ecuador angestiegen. Trotzdem wird die OCP als Allheilmittel fuer die Wirtschaft des Landes propagiert. Sicherheitskraefte sind OCP-Gegnern mit starken Repressionen begegnet, was zu Verletzungen, Verhaftungen und Todesfaellen gefuehrt hat.
US-MAERKTE: Ecuadors Oelexporte sind vorrangig fuer den Verbrauch in den USA, vor allem in Kalifornien, bestimmt.Die Tatsache, dass die USA sich fast ganz auf Oel verlaesst (das fossil fuel das vorranging fuer Klimaveraenderung verantwortlich ist), beschleunigt die Zerstoerung des Amazonas.

OCP bricht Umwelt- und soziale Richtlinien
Die Westdeutsche Landesbank hat oeffentlich erklaert, dass die Einhaltung der Umweltrichtlinien von der Weltbank "eine unentbehrliche Voraussetzung fuer jedes Engagement" mit der OCP sei. Dennoch hat Robert Goodland, Chef der Umweltabteilung der Weltbank seit 25 Jahren, in seinem Bericht 2002 festgestellt, dass die OCP gegen die Umwelt- und Sozialrichtlinien der Weltbank verstoesst, und zwar in Hinblick auf Biodiversity als auch Risiken fuer einheimische Bewohner.

Auswirkungen auf die Umwelt
Ecuador ist fuer seinen extremen Artenreichtum bekannt. Mit nur 0,2% der globalen Landmasse wird geschaetzt, dass es 10% aller Arten enthaelt. Im Mai 2000 wurde eine Umweltstudie (Environmental Impact Assessment) fuer die OCP erstellt, die aber von einem Team lokaler und internationaler Wissenschaftler, deren Fachgebiet den Artenreichtum Ecuadors umfasst, als unzulaenglich abgelehnt wurde. Experten wiesen auf die ernstzunehmenden Gefahren der Ausrottung von endemischen und gefaehrdeten Arten hin.
Anstatt die OCP neben der bestehenden SOTE Pipline anzulegen (= die Route mit den geringsten Einwirkungen), wurde eine noerdliche Route fuer die OCP gewaehlt. Die SOTE Pipeline wurde von Texaco in den fruehen1970ern gebaut und durchquert das Land ungefaehr von Ost nach West.
Ueber die letzten 30 Jahre ist Dutzende von Malen Oel aus dieser Pipeline ausgelaufen, als sie unzaehlige von Malen durch Erdrutsche, Erdbeben, Vulkanausbrueche und aufstaendische Bombenanschlaege zerrissen wurde. All dies sind Risiken fuer die OCP Pipeline. So sind schon Millionen von Gallons von Rohoel in die Flusssysteme und durch lokale Gemeinschaften gelaufen. Ausserdem sind durch die Vorgehensweise der Gesellschaft insgesamt schon 2,5 Millionen Acres Regenwald verlohrengegangen, und mindestens 350 Giftmuellhalden zurueckgelasssen worden.

Die neue Nordroute durchquert steiles Gebirgsgelaende, Regionen mit hohem Artenreichtum und Ecotourismusaktivitaet; und von der Smithsonian Institution wurde sie in einem Bericht kritisiert. Diese neue Pipline fuehrt durch sieben geschuetzte Nationalparks und Reserven, einschliesslich des Wolkenurwalds von dem Choco-Anden Korridor,einer Umwelt-Biosphaeren-Resrve der Weltbank. Die Nindo Nambillo Wolkenurwald Reserve beherbergt mehrere bedrohte und rare Anden-Lebensraeume, und besitzt einen der Welt groessten Artenreichtum. Hier sind 450 Vogelarten zu hause - 46 davon sind bedroht -, und es ist als das erste "wichtige Vogelgebiet" von Suedamerika anerkannt..

Kritiker glauben, dass die umvermeidlichen Brueche und das dadurch verursachte Auslaufen der Pipeline eine oekologische Kathastrophe heraufbeschwoeren werden, wenn Oel in die bedrohten Urwaldsysteme und Fluesse auslaeft, und weitere Entwaldung und Grundwasserverseuchung stattfindet.

Soziale Auswirkungen

Nach neuen Oelreserven, die gebraucht werden um die OCP zu fuellen, wird schon jetzt gesucht in dem Heimatgebiertder Achuar, Shuar, Huaorani, Quichua, Shiviar und Aapara, alles einheimische Gemeinschaften in Ecuadors suedllichem Amazonasgebiet.Viele von diesen Gemeinschaften haben geschworen nie zuzulassen, dass Oelentwicklung auf ihrem Land stattfindet - fuer sie buchstaeblich eine Frage von Leben oder Tod.
In laendlichen Gebieten sind kleine Bauernhoefe vom Bau der Pipeline betroffen, und zwar durch Ernteschaeden , Schaeden am Weideland und der Wasserversorgung. Es wird berichtet dass viele Landbesitzer unter Druck gesetzt wurden, erpresst und bedroht wurden, um Vereinbahrungen mit dem Konsortium zu unterschreiben. Einige von denen, die sich weigerten, sind durch das ecuadorianische Militaer, auf Veranlassung der OCP, von ihrem Land vertrieben worden, ohne irgendwelche Kompensation zu erhalten. Die Ankunft von fuenf Tausend Bauarbeitern hat ebenfalls eine starke Auswirkung auf die laendlichen Gemeinschaften, mit daraus resultierenden Problemen wie Gewalt, Alkoholismus und Prostitution.
Ein betraechtlicher Anstieg in der Oelerzeugung wird auch Auswirkungen auf die Gemeinschaften haben, die neben des Landes Hauptoelraffinerien leben. Die Afro-Ecuadorianer der Esmeraldas Kuestengebiete haben schon jezt einige der hoechsten Vorkommen von Krebs und Unterernaehrung des Landes, dazu Krankheiten der Atemwege,von Haut und Magen, hervorgerufen durch die staendige Verschmutzung von Luft, Wasser und Erde.
Es wird angenommen, das das Hauptvorkommen von schwerem Rohoel, das von dem Konsortium angebohrt werden soll, unterhalb von Nationalparks, Tierreserven und dem Land einheimischer Menschen liegt. Speziell geschuetzte Gebiete die gefaehrtet sind schliessen ein: den Yasuni Nationalpark, Limoncocha, Panacocha und das Cuyabena Schutzgebiet.

Weitlaeufiger Widerstand

Die Pipeline, wegen Widerstand 10 Jahre lang aufgeschoben, war seit Konstruktionsbeginn 2001 mit Problemen ueberhaeuft. Gemeinschaften in ganz Ecuador haben Grassroots-Aktionen initiiert um die OCP zu stoppen .Darunter waren auch eine Baumsitz Blockade im Januar 2001durch die Bewohner des Nindo Wolkenurwaldes, die erste ihrer Art in Suedamerikas Geschichte.
Widerstand gegen die Pipeline hat weltweit Umwelt- und Buergerrechtsgruppen zusammengebracht. Der Widerstand hat schwerwiegende Folgen fuer das Projekt gehabt, mit Verzoegerungen die die OCP zusaetzllich fast 2 Millionen US$ kosten. Im Oktober 2002 wurde die OCP Investitionseinstufung auf fast wertlosen Status heruntergewertet, aufgrund von wachsenden Umwelt-, politischen und oekonomischen Fragen.
Die OCP Pipeline ist zu 90 % fertiggestellt; anerkennenswuerdige Anstrengungen bestehen, den Bau zu stoppen zu versuchen. Jetzt koennen wir noch verhindern, dass neue Oelquellen angebohrt werden, und eine weitere Ausbeutung der einzigartigen Regenwaelder und der einheimischen Gemeinschaften von Ecuadors Amazonas stattfindet.

Aktion!

Im Maerz dieses Jahres hat der ecuadorianische Aktivist und Filmemacher Juan Pablo Barragan einen 35 Minuten Film ueber die OCP produziert, mit dem Titel: "Die Amazonas Oel-Pipeline - Verschmutzung, Korruption und Armut". Entsprechend der Nationalitaeten der Gesellschaften des Konsortiums, ist dieser Film in Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Franzoesisch vorhanden. Im Anschluss an die Videovorfuehrung werden Briefe geschrieben an die OCP Oelgesellschaftsmitglieder, die Westdeutsche Landesbank und andere Banken, Ecuadors Praesident und die IMF. Eine Videokopie ist vom Rainforest Information Centre (naehere Angaben siehe unten) erhaeltlich, zur Vorfuehrung bei Ihrer Organisation, Gruppe oder unter Freunden.
Bitte schreibt an die WestLB und fordert sie auf, den OCP-Kredit zurückzuziehen. Laut WestLB sind die Weltbankstandards Gegenstand des Vertrages zwischen der WestLB und OCP. Die Weltbankstandards werden aber massiv verletzt, wie auch in dem Gutachten von Dr. Robert Goodland nachzulesen ist. Das Gutachten in Deutsch kann auf der Internetseite www.lag3w.de heruntergeladen werden.

Die Kampagne wird ausschliesslich von freiwilligen Mitarbeitern bestritten. Wir brauchen Leute fuer Forschung im Internet, wir brauchen Uebersetzer und auch Schriftsteller. Bitte nehmt Kontakt auf mit johnseed1@ozemail.com.au .

Bitte schreibt an den Aufsichtsratsvorsitzenden der WestLB, Herrn Lüthje,
und fordert ihn auf, sich aus dem OCP-Projekt zurückzuziehen.
Hauptniederlassung
WestLB AG
Herzogstraße 15
40217 Düsseldorf
Tel.: (0211) 826-01 Fax: (0211) 826-6119
presse@westlb.de

Wenn ihr regelmäßig über die Kampagne informiert werden wollt, könnt ihr euch unter regenwald@lag3w.de in einen email- Verteiler aufnehmen lassen.

2. Bitte schreibt an den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Herrn
Peer Steinbrück, da das Land Miteigentümer der WestLB ist.
Adresse: Ministerpräsident Peer Steinbrück, Stadttor, 40213 Düsseldorf, Telefon: 0211-83701, Fax: 0211-8371170, email: poststelle@stk.nrw.de

Bitte schreibt an Harald Schartau. Er ist Vorsitzender des Landesvorstandes der NRW-SPD und Minister für Wirtschaft. Er sitzt im Verwaltungsrat der Landesbank NRW, deren 100 %ige Tochter die WestLB AG ist.

Harald Schartau
SPD Landesverband NRW
Kavalleriestr. 16
40213 Düsseldorf
Telefon 0211/ 136220
info@nrwspd.de

4. Bitte schreibt an den Präsidenten von Ecuador und schickt eine Kopie an den Energieminister und die Umweltgruppe 'Accion Ecologica' natwe@uio.satnet.net und fordert sie auf:
- den Kontrakt zwischen der Regierung von Ecuador und dem OCP-Konsortium
aufzulösen, weil mit diesem Vertrag die Menschenrechte der inidgenen Völker
mißachtet und die Umwelt zerstört wird;
- die Expansion im Ölgrenzgebiet zu beenden, mit der geschützte Gebiete und
die Ureinwohner dort bedroht sind.

Presidente Lucio Gutiérrez`
Despacho Presidencial
Calle García Moreno y Chile
Quito - Ecuador
Tel: 593 22 580833 Fax: 593 22 580 748
Email: karina.giler@presidencia.gov.ec

Ing. Carlos Arboleda Heredia
Ministro de Energías y Minas
Calle Juan León Mera y Orellana, Ed. Ministerio de Obras Públicas
Quito - Ecuador
Tel: 593 22 553043 Fax: 593 22 906350

Accion Ecologica: natwe@uio.satnet.net

Bitte nehmt Kontakt mit dem IWF auf und fordert ihn auf, Ecuador seine
Schulden zu erlassen im Austausch dafür, dass Ecuador die Regenwälder des
Amazonas und dessen Ureinwohner schützt.

International Monetary Fund,
Attn Horst Koehler, Managing Director.
700 19th Street, N.W.,
Washington, D.C. 20431,
USA
Tel: 1 202 623-7300 Fax: 1 202 623-6278
Anoop Singh, Director of the Western Hemisphere Department
Tel 1 202 623 6222. fax 1 202 623 7499
publicaffairs@imf.org, hkoehler@imf.org, asingh@imf.org

Bitte protestiert bei EnCana, der Kanadischen Oelgesellschaft mit 34% - dem hoechsten Anteil an der OCP:
gwyn.morgan@encana.com, andy.patterson@encana.com, dick.wilson@encana.com

Mehr Informationen auf Englisch findet ihr unter: www.rainforestinfo.org.au
und dort unter "What You Can Do" zu OCP.
Danke!

Für die Erde - John Seed

www.regenwald.org
www.pro-regenwald.org/
www.urgewald.de
www.amazonwatch.org (click on "mega projects")
www.rainforestinfo.org.au
www.accionecologica.org
www.oilwatch.org.ec